Auch ohne Fußproblem zum Fußspezialisten

Mit der Stimmgabel lässt sich das bei der diabetischen Neuropathie früh verminderte Vibrationsempfinden prüfen. (Foto: Aufklärungsinitiative „Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?“)
Mit der Stimmgabel lässt sich das bei der diabetischen Neuropathie früh verminderte Vibrationsempfinden prüfen. (Foto: Aufklärungsinitiative „Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?“)

Die diabetische Neuropathie kann vom Podologen frühzeitig entdeckt werden.

(dbp/auh) Wenn die Füße kribbeln, brennen, schmerzen oder sich taub anfühlen, ist es höchste Zeit für einen Besuch beim Arzt oder Podologen. Denn diese Symptome können Anzeichen für eine Nervenkrankheit sein.

Die diabetische Neuropathie ist eine fortschreitende Funktionsstörung der peripheren Nerven, die sich meist zuerst an den Füßen bemerkbar macht. Eine gefürchtete Folge ist das sogenannte diabetische Fußsyndrom. Dabei entstehen Wunden und Geschwüre, die nur schlecht oder gar nicht abheilen. Im schlimmsten Fall müssen Zehen, Fuß oder Unterschenkel amputiert werden.

So weit müsste es in vielen Fällen nicht kommen. Sowohl der Deutsche Podologenverband als auch die Deutsche Diabetes-Stiftung halten es für realistisch, dass die Zahl der Amputationen bei Diabetikern um die Hälfte reduziert werden könnte. Das diabetische Fußsyndrom tritt jedes Jahr neu bei 230.000 Menschen auf und ist der Grund für mehr als 40.000 Amputationen jährlich.

„Menschen mit Diabetes wissen einfach zu wenig über den Zusammenhang ihrer Erkrankung und der Fußgesundheit“, sagt Annett Ullrich, Podologin aus Förderstedt. Diese Unkenntnis sei der Hauptgrund, warum die Patienten oft erst mit tiefen Wunden zum Arzt gehen. Um dem entgegenzuwirken, engagiert sich die Podologin bei den „Fußflüsterern“, einem Expertenrat für Menschen mit Diabetes, initiiert vom Unternehmen Wörwag Pharma. „Häufig entdecken wir bei der Erstkonsultation zufällig eine Wunde oder andere Auffälligkeiten, die der Patient selber kaum oder gar nicht spürt“, so Ullrich.

Neuropathie ist keine Spätfolge

Die Krankheit ist keine Spätkomplikation, sondern kann bereits im Vorstadium des Diabetes entstehen. Die ersten Symptome sind kaum spürbar und werden lange Zeit gar nicht wahrgenommen. Deshalb ist es so wichtig, nicht erst bei Fußproblemen zum Fußspezialisten zu gehen. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass drei bis vier Millionen Menschen in Deutschland gar nicht wissen, dass sie an Diabetes erkrankt sind, wie die Deutsche Diabetes Stiftung schätzt.

„Auch wenn augenscheinlich kein Problem vorliegt, kann ein Besuch beim Podologen in vielerlei Hinsicht nützlich sein“, ist sich Annett Ullrich sicher. Um herauszufinden, ob möglicherweise eine Neuropathie vorliegt, überprüft der Podologe die Temperatur-, Druck- und Vibrationswahrnehmung an den Füßen. Dazu verwendet er verschiedene Instrumente. Ullrich nennt den Stimmgabeltest als ein Beispiel: „Mit der Stimmgabel testen wir, inwieweit das Vibrationsempfinden, das heißt die Tiefensensibilität, beeinträchtigt ist.“ Das Ergebnis gibt Aufschluss über eine eventuell vorhandene Störung der Nervenfunktion.

Erhärtet sich nach der podologischen Untersuchung der Verdacht auf eine diabetische Neuropathie, und wird die Diagnose ärztlich bestätigt, sollte die Weiterbehandlung im Idealfall von einem Arzt mit Zusatzbezeichnung Diabetologie übernommen werden.