Impfungen: Auf dem Weg zur „Herdenimmunität“

Empfehlungen darüber, welche Impfungen sinnvoll sind, gibt in Deutschland die Ständige Impfkommission (STIKO). (Foto: A. Raths/Fotolia)
Empfehlungen darüber, welche Impfungen sinnvoll sind, gibt in Deutschland die Ständige Impfkommission (STIKO). (Foto: A. Raths/Fotolia)

Nachgeforscht: Wer legt fest, welche Impfungen sinnvoll sind?

(dbp/spo) Tetanus, Masern, Röteln, Grippe – gegen Infektionskrankheiten wie diese sind wirksame Schutzimpfungen verfügbar. Eine Pflicht zur Impfung gibt es in Deutschland nicht, allerdings offizielle Empfehlungen für Kinder und Erwachsene.

Warum sind Impfungen überhaupt wichtig?

Zunächst einmal weil sie vor ernsthaften Erkrankungen schützen. Außerdem ist eine Grundimmunität für die Allgemeinheit wichtig – man spricht von „Herdenimmunität“. Ein Beispiel: In Deutschland gab es 1990 den letzten einheimischen Fall von Kinderlähmung (Poliomyelitis). Vor allem wegen flächendeckender Schluckimpfungen konnte die Krankheit zurückgedrängt werden. Jüngste Wellen von Masern führen Experten auf zu laxes Impfverhalten zurück.

Wieso gibt es Impfgegner?

Sowohl die Erkrankung, als auch die Impfung sind eine Herausforderung für den Organismus. Viele Impfgegner möchten ihren Kindern die möglichen Impfreaktionen nicht zumuten. Außerdem wird argumentiert, dass eine durchgemachte Krankheit den Organismus am besten trainiert. Eltern müssen hier allerdings abwägen, ob sie dem Kind mit der möglichen Erkrankung nicht auch mögliche Komplikationen zumuten – so kann es bei Masern zum Beispiel zu einer Gehirnentzündung kommen.

Wie entstehen die offiziellen Impfempfehlungen?

Ständige Impfkommission, kurz STIKO, heißt das ehrenamtlich arbeitende Expertengremium, das in Deutschland offizielle Impfempfehlungen herausgibt. Die zwölf bis 18 Experten aus Wissenschaft und Forschung, öffentlichem Gesundheitsdienst und Ärzteschaft werden alle drei Jahre vom Bundesgesundheitsministerium neu berufen. Die STIKO hat ihren Sitz am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, das die Ausbreitung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten systematisch erforscht. Diese Daten nutzt die STIKO als Basis für ihre Impfempfehlungen, die sie in der Regel jährlich angleicht. Die Empfehlungen sind als Aufforderung gedacht, nicht nur als „kleiner Tipp“.

Empfiehlt die STIKO auch Reiseimpfungen?

Aufgabe der STIKO ist es, Empfehlungen auszusprechen, für die es in Deutschland ein öffentliches Interesse gibt. Zwar kann sie sich zu Reiseimpfungen äußern, gibt aber keinen Rat für einzelne Länder.

Wo kann ich mich informieren, was für mich sinnvoll ist?

Über die in Deutschland empfohlenen Schutzimpfungen berät der Haus- oder Kinderarzt. Wer im Internet recherchieren möchte, kann das auf den Seiten der STIKO (www.stiko.de) sowie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.impfen-info.de) tun. Infos zu Reiseimpfungen gibt es bei niedergelassenen Reisemedizinern, Tropeninstituten oder Gesundheitsämtern sowie auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes.

Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

Bei den von der STIKO empfohlenen Impfungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. Wer für den Urlaub eine spezielle Reiseimpfung benötigt, muss sie in der Regel selbst bezahlen. Manche Kassen übernehmen aber einzelne Impfungen – hier lohnt es sich, vorher nachzufragen.