Jeden Tag mit der Angst leben

Die Angst vor Spinnen wird als Arachnophobie bezeichnet. (Foto: Fotolia / Artranq)
Die Angst vor Spinnen wird als Arachnophobie bezeichnet. (Foto: Fotolia / Artranq)

Angststörungen sind für Betroffene eine Qual.

(dbp/fru) Viele Menschen ekeln sich vor Spinnen. Es ist jedoch ein großer Unterschied, ob man sich „nur“ ekelt oder panische Angst vor den Tieren hat. Grundsätzlich macht uns Angst wach und bündelt unsere Aufmerksamkeit auf eine drohende Gefahr. Sie bereitet auch den Körper darauf vor, diese abzuwenden, indem der Verteidigungs- und Fluchtmodus aktiviert wird. Bei einigen Menschen treten jedoch Angstreaktionen auch ohne eine tatsächliche Gefahrenquelle auf. Dann sprechen Mediziner von Angststörungen. Diese gehören neben Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland, erklärt Prof. Dr. Borwin Bandelow von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) auf der Internetseite www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org.

Ursache unbekannt

Vermutlich spielen neurobiologische, psychologische und auch genetische Faktoren bei der Entwicklung von Angststörungen eine Rolle. Die genauen Ursachen von Angststörungen sind jedoch unbekannt. Man weiß aber beispielsweise, dass Verwandte von Betroffenen anfälliger sind. Je nachdem, in welchen Situationen und mit welcher Intensität beim Patienten die Angstzustände auftreten, gibt es unterschiedliche Formen von Angststörungen.

Bei der „Panikstörung“ kommen die Angstattacken unerwartet und unabhängig von bestimmten Situationen vor und steigern sich binnen Minuten zur regelrechten Panik. Bei der „generalisierten Angststörung“ treten die Beschwerden wochen- oder sogar monatelang ohne erfindliche Gründe auf. „Phobische Störungen“ hingegen werden durch bestimmte Situationen, Objekte oder Aktivitäten ausgelöst. Und nicht zuletzt gibt es auch die „Soziale Angststörung“, bei der es sich um eine extreme Form der Schüchternheit gegenüber anderen Mitmenschen handelt.

Phobien kommen recht häufig vor

Insgesamt sind etwa 15 % aller Deutschen von einer Angststörung betroffen. Die Phobien sind dabei nach Angaben der DGPPN die häufigste Erscheinungsform unter den Angststörungen. Frauen sind davon öfter betroffen als Männer. 75 bis 90 Prozent der Patienten mit Tierphobien sind beispielsweise weiblich. Im Kindesalter können spezifische Phobien unvermittelt auftreten, jedoch mit dem Alter wieder verschwinden. Entwickeln sich die Ängste hingegen erst im Erwachsenenalter, werden sie häufig chronisch. Bei konkreten Phobien kann die Ursache oftmals in traumatischen Erfahrungen liegen. Die soziale Phobie hingegen entwickelt sich eher schleichend.

Bei der Behandlung von Phobien spielen Verhaltenstherapien eine große Rolle, denn die auslösenden Faktoren sind klar erkennbar. Durch die sogenannte kognitive Therapie soll z. B. der Patient im Dialog erkunden und verstehen, welche Denkabläufe seine Angst verursachen. Auf diese Weise kann Vermeidungsverhalten aufgedeckt und korrigiert werden. Dabei ist die direkte Konfrontation mit der Angst das wichtigste Element der Verhaltenstherapie. Man kann sich hier systematisch an das Therapieziel herantasten, indem  man zunächst mit der bloßen Vorstellung des angsteinflößenden Objekts beginnt. Jedoch ist auch eine sofortige, direkte Konfrontation (Reizüberflutung) erfolgversprechend. Im Beisein des Therapeuten erlebt der Patient dann seine Angst zunächst sehr intensiv, lernt aber auch, dass sie von alleine wieder nachlässt, wenn er ihr nicht nachgibt.