Lichtmangel begünstigt Multiple Sklerose

Vitamin-D-Mangel ist in den Wintermonaten weit verbreitet, denn nur UV-B-Licht setzt die körpereigene Produktion in Gang. (Foto: snyggg.de / Fotolia)
Vitamin-D-Mangel ist in den Wintermonaten weit verbreitet, denn nur UV-B-Licht setzt die körpereigene Produktion in Gang. (Foto: snyggg.de / Fotolia)

Nach dem Ende der „dunklen Jahreszeit“ haben Patienten vermehrt Krankheitsschübe

(dbp/auh) Die „dunkle Jahreszeit“ belastet nicht nur das Gemüt, sondern schwächt auch die Immunabwehr. Ein Grund dafür ist die nachlassende körpereigene Vitamin-D-Produktion. Ein Mangel an diesem auch „Sonnenhormon“ genannten Vitamin hat darüber hinaus noch zahlreiche weitere, negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Viele sind noch nicht abschließend wissenschaftlich abgesichert. Dazu gehört der mögliche Zusammenhang von Vitamin D und Multipler Sklerose (MS).

Die nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) bislang größte internationale Studie zu dem Thema hat nun zumindest den Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung und MS belegt. Die Forschergruppe um den Neurologen Dr. Tim Spelman aus Melbourne wertete 32.762 MS-Schübe von fast 10.000 Patienten in 55 klinischen MS-Behandlungszentren aus 30 Ländern aus. Dabei fanden sie ein wiederkehrendes Muster, dem die Krankheitsschübe aller Patienten auf der nördlichen und südlichen Erdhalbkugel folgen: Die Schübe treten besonders häufig zu Beginn des meteorologischen Frühjahrs auf, also nach der Periode mit geringer UV-Strahlung.

Mehr MS-Fälle im Norden

Der Zeitraum zwischen dem UV-Strahlungstief im Winter und dem Auftreten der Schübe ist umso kürzer, desto weiter entfernt die Patienten vom Äquator leben. „Jeder Breitengrad weiter entfernt verstärkt die Krankheit durch den Lichtmangel im Winter“, erklärt die DGN. Die Autoren der Untersuchung vermuten, dass Menschen mit einem niedrigeren Vitamin-D-Level nach dem Winter früher einen Vitamin-D-Mangel erleiden, der die Wahrscheinlichkeit von Schüben erhöhen könnte.

Das ist – wie gesagt – eine Vermutung. Professor Heinz Wiendl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie geht davon aus, dass es nicht allein die Vitamin-D-Produktion ist, die den Unterschied ausmacht. „Die Wirkung des Lichts auf das Immunsystem geht deutlich über das hinaus, was wir mit einer erhöhten Vitamin-D-Produktion erklären können“, so der Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie in Münster, der selber zum Zusammenhang von UV-Licht und MS forscht.

Auffällig ist, dass offenbar auch das Erkrankungsrisiko sinkt, je näher man am Äquator wohnt. In den kühleren Klimazonen der nördlichen Erdhalbkugel ist MS am weitesten verbreitet, vor allem zwischen dem 40. und dem 60. Breitengrad. Diese ungleiche Verteilungshäufigkeit hat dazu geführt, dass viele Forscher ihr Augenmerk auf den Vitamin-D-Status von MS-Patienten richten. Denn in diesen Regionen kann mangels UV-B-Strahlung vier bis sechs Monate lang kein Vitamin D in der Haut gebildet werden.

Vitaminmangel Ursache oder Folge?

Und tatsächlich gibt es viele Hinweise drauf, dass ein niedriger Vitamin-D-Status und MS in vielfältiger Weise in einem engen Zusammenhang stehen. „Jedoch bleibt es weiterhin eine spannende Frage, ob Vitamin-D-Mangel die Ursache oder eine Folge der Multiplen Sklerose ist“, sagt Dr. Lisa-Ann Gerdes vom Institut für Klinische Neuroimmunologie der Uni München im Interview mit dem Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG).

Dr. Gerdes empfiehlt eine Substitution mit Vitamin-D-Präparaten nur bei nachgewiesenem Mangel. „Den Vitamin-D-Spiegel, also 25-Hydroxyvitamin D, kann man einfach im Blut bestimmen lassen, der Normalwert liegt über 50 nmol/l.“

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Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) mit dem Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) vom 12.11.2014, www.dgn.org, unter Verweis auf folgende Studien: Breuer J et al. Ultraviolet B light attenuates the systemic immune response in central nervous system autoimmunity. Ann Neurol 2014 May 14 und: Spelman T et al. Seasonal variation of relapse rate in multiple sclerosis is latitude dependent. Ann Neurol 2014 Oct 20; Informationen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V., www.dmsg.de; Informationen von Prof. Dr. Armin Zittermann unter: www.osd-ev.org/osteoporose/bibliothek/vitamin-d-mangel-in-deutschland.php; abgerufen im Dezember 2014