Mit einem Schluck ins Innere schauen

Die Kapselendoskopie ist eine sogenannte IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung) und muss von gesetzlich Versicherten aus eigener Tasche bezahlt werden. grafik dbp
Die Kapselendoskopie ist eine sogenannte IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung) und muss von gesetzlich Versicherten aus eigener Tasche bezahlt werden. grafik dbp

IGeL-Check: Die Kapselendoskopie zur Darmkrebsfrüherkennung.

Individuelle Gesundheits-Leistungen (IGeL) sind ärztliche Leistungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Nur auf Wunsch und mit schriftlicher Zustimmung des gesetzlich Versicherten darf der Arzt eine IGeL erbringen und muss diese nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abrechnen. Die GOÄ sieht einen Gebührenrahmen mit Mindest- und Höchstsätzen vor, je nach Aufwand der Leistung.

(dbp/fru) Die Darmspiegelung (Koloskopie) ist der Goldstandard bei der Darmkrebsvorsorge. Nur mit dieser Methode kann man während der Untersuchung mögliche Vorstufen von Darmkrebs (Darmpolypen) entfernen und Gewebeproben (Biopsien) entnehmen. Aber: Lediglich 3% der Anspruchsberechtigten nehmen jährlich diese Vorsorgemöglichkeit wahr. Das ist auch ein Grund dafür, dass in Deutschland nach Schätzungen des Robert Koch Instituts immer noch jährlich circa 62.000 Menschen an Darmkrebs erkranken und fast 26.000 daran sterben. Es ist also nicht verwunderlich, dass Experten nach Untersuchungsmethoden suchen, die die Akzeptanz der Darmkrebsvorsorge erhöhen.

Höhere Bereitschaft zur Darmkrebsvorsorge mit Kapselendoskopie

In einer Studie zur Versorgungsforschung wurde die Kapselendoskopie von Patienten öfter als Erstuntersuchungsmethode zur Darmkrebsvorsorge im Vergleich zur herkömmlichen Darmspiegelung gewünscht. Als Grund für diese Entscheidung wurde am häufigsten die Angst vor Komplikationen bei der konventionellen Koloskopie genannt. Aber auch Schamgefühl und die Furcht vor Schmerzen spielten dabei eine Rolle.

Auch nach Einschätzung des Bundesverbands der Gastroenterologen (BNG) hat die Kapselendoskopie einige Vorteile zu bieten. Die Untersuchung ist schmerzfrei, sicher und komplikationsarm, man benötigt keine Sedierung und es entsteht keine Strahlenbelastung. Zudem ist sie ambulant durchführbar und die Ergebnisse können langfristig archiviert werden, was jederzeit eine Zweitbefundung oder spätere Verlaufskontrolle möglich macht.

Keine Beeinträchtigungen im Tagesablauf

Die Kapselendoskopie ist ein sanftes Untersuchungsverfahren. Wie bei einer herkömmlichen Darmspiegelung, muss auch bei der Kapselendoskopie der Darm zunächst mit einer abführenden Trinkspüllösung vorbereitet werden, damit die Darmschleimhaut für die in der Kapsel eingebaute Videotechnik vollständig einsehbar ist.  Am Untersuchungstag wird die Kapsel – die eine glatte Oberfläche hat und nicht größer als eine Vitamintablette ist – mit einem Schluck Wasser eingenommen. Sie besitzt an beiden Kameraköpfen eigene Lichtquellen und Sensoren, die bereits in der Speiseröhre anfangen, die gemachten Aufnahmen an ein kleines Aufzeichnungsgerät zu übertragen. Den Recorder kann man bequem am Gürtel tragen, sodass keine Beeinträchtigung im Tagesablauf stattfindet.

Die Kameras nehmen während der Passage zwischen 4 und 35 Bilder pro Sekunde auf und erlauben dem Arzt später, nicht nur den Dickdarm zu untersuchen, sondern auch Dünndarm und andere Organe, so dass auch weitere Befunde möglich sind.

Bei Auffälligkeiten ist eine herkömmliche Darmspiegelung notwendig

Die Kapsel wird nach der Darmpassage auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden. Sie muss nicht aufgefangen oder geborgen werden, da sie selbst keine Daten oder Bilder speichert. Die von den Kameras gesendeten Aufnahmen können nun vom Arzt ausgewertet werden. Wenn der Arzt Auffälligkeiten entdeckt, sollte zur Abklärung eine herkömmliche Darmspiegelung erfolgen.

Eine Kapselendoskopie sollte bei bekannter intestinalen Verstopfung oder Verengung nicht durchgeführt werden, ebenso bei Dysphagie und anderen Schluckstörungen. Auch in der  Schwangerschaft ist davon abzuraten. Die Kosten für die Kapselendoskopie belaufen sich auf circa 1.000 Euro und sind vom Patienten selbst zu tragen. In manchen Ausnahmefällen übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Es lohnt sich also, vorher nachzufragen.