Ohrgeräusche, die gar nicht da sind

Bei einem Tinnitus hören Menschen z. B. Pieptöne oder ein monotones, tiefes Rauschen, was sehr belastend sein kann. (Foto: Fotolia / Klaus Eppele)
Bei einem Tinnitus hören Menschen z. B. Pieptöne oder ein monotones, tiefes Rauschen, was sehr belastend sein kann. (Foto: Fotolia / Klaus Eppele)

Der Tinnitus belastet den Alltag vieler Patienten.

(dbp/fru) Bei etwa zehn Millionen Erwachsenen kommt es jährlich zu Tinnitus, teilt die Deutsche Tinnitus-Liga mit – in den meisten Fällen glücklicherweise nur vorübergehend. Es rauscht, pfeift, zischt oder summt und man weiß nicht genau, woher die Geräusche kommen. Am häufigsten werden hohe Pieptöne oder ein monotones, tieferes Rauschen beschrieben. Dabei sind die Töne nicht wirklich vorhanden, sondern nur für den Betroffenen hörbar. Nur selten könne man einen Tinnitus auch tatsächlich hören, zum Beispiel bei Gefäßstenosen, erklärt der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte auf seinen Internetseiten www.hno-aerzte-im-netz.de.

Subjektiver und objektiver Tinnitus

Man unterscheidet zwei Arten von Tinnitus. Dem „objektiven Tinnitus“ liegt eine tatsächlich messbare Schallquelle zugrunde. Diese beispielsweise gefäß- oder muskulärbedingten Töne entstehen in der Nähe des Innenohrs. Aber auch  atemabhängige Geräusche können hier zugrunde liegen. Beim subjektiven oder „eigentlichen Tinnitus“ (Tinnitus aurium) besteht keine Schallquelle im Körperinneren. Dennoch wird vom Patienten aufgrund einer fehlerhaften Informationsverarbeitung im Hörsystem ein Ton oder Geräusch wahrgenommen. Diese Form des Tinnitus tritt wesentlich häufiger auf als der objektive Tinnitus.

Als auslösende Faktoren kommen z. B. Hörsturz, Lärmtrauma oder Schwerhörigkeit infrage. Aber auch neurologische Erkrankungen oder Schädel-Hirn-Verletzungen sowie Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu funktionellen Störungen der Halswirbelsäule und des Kiefergelenks können die Symptome verursachen. Und manchmal lässt sich auch gar keine organische Ursache feststellen.

Auch die zeitliche Differenzierung spielt bei der Einteilung des Tinnitus eine Rolle. Von einem akuten Tinnitus spricht man in den ersten drei Monaten nach Auftreten der ersten Ohrgeräusche, danach sprechen Mediziner von einem chronischen Tinnitus. Teilweise wird auch für den Zeitraum von 3 bis 12 Monaten von einem subakuten Tinnitus gesprochen.

Verschiedene Behandlungsansätze

Die Deutsche Tinnitus-Liga rät akut Tinnitus geplagten gleich zu Beginn der Beschwerden einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen, um eine mögliche Ursache zu finden, die dann behandelt werden sollte. Denn in ca. 80 Prozent der Fälle geht der akute Tinnitus durch Behandlungen der jeweiligen Ursachen oder auch von alleine wieder weg. HNO-Experten empfehlen bei einem akuten Tinnitus die Gabe von durchblutungsfördernden Mitteln aber auch von sogenannten Glukokortikoiden (eine Klasse von Steroidhormonen aus der Nebennierenrinde).

Wenn ein Ohrgeräusch allerdings chronisch ist und länger als ein Jahr besteht, liegt das Problem längst nicht mehr im Ohr selbst. Das Gehirn hat das Geräusch dann gewissermaßen verinnerlicht. Dann geht es in erster Linie darum, den Tinnitus kompensieren zu lernen. Denn je länger ein Ohrgeräusch bestehen bleibt, desto geringer sind die Chancen, dass es einfach wieder verschwindet. Hier können dann sogenannte Rauschgeräte (z. B. Tinnitusmasker oder Noiser), die wie Hörgeräte am Ohr getragen werden, helfen, das störende Ohrgeräusch mit einer umfassenden Frequenz zu übertönen bzw. davon abzulenken.

Auch die sogenannte Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) kann vielen Betroffenen helfen, besser mit dem permanenten Ohrgeräusch zu leben. Mit diesem ganzheitlichen Behandlungsansatz, der aus einer Beratung beim HNO-Arzt, einem Hörtraining und einer psychotherapeutischen Verhaltenstherapie besteht, soll der Patient seinen Tinnitus überhaupt nicht mehr oder zumindest nicht mehr als störend wahrnehmen („Entmystifizierung“).