Osteopathie ist reine Handarbeit

In der Osteopathie werden mit gezielten Handgriffen die Selbstheilungskräfte aktiviert. (Foto: bildwerk / Fotolia)
In der Osteopathie werden mit gezielten Handgriffen die Selbstheilungskräfte aktiviert. (Foto: bildwerk / Fotolia)

Therapeuten aktivieren mit gezielten Griffen die Selbstheilungskräfte

(dbp/ihs) Gelenkprobleme, Rückenschmerzen, Kopfweh oder Verdauungsstörungen – all das sind typische Beschwerden, mit denen Patienten zum Osteopathen gehen. Er versucht, die tiefer liegenden Ursachen dafür zu finden. Nach einem ausführlichen Gespräch erfolgen Diagnose und Therapie ausschließlich mit den Händen, ganz ohne Medikamente und medizinische Instrumente.

Der Osteopath ertastet das menschliche Gewebe Schicht für Schicht und erspürt so Bewegungseinschränkungen und Spannungen. „Ziel ist nicht die Bekämpfung eines Symptoms“, sagt Klaus Hermann, der als Osteopath und Physiotherapeut in Hannover arbeitet. Vielmehr gehe es darum, Funktionsstörungen und Blockaden zu lösen, und so dem Körper zu helfen, seine Gesundheit selbst wiederzuerlangen.

Gelenke, Organe und Nerven in Verbindung

Die Osteopathie ist ganzheitlich ausgerichtet. Das Konzept: Mit speziellen behutsamen Griffen werden Muskeln gelockert, Nerven aktiviert und der Durchfluss von Arterien, Venen und Lymphbahnen verbessert. Man unterscheidet drei Behandlungsbereiche: das Muskel-Gelenk-System, die inneren Organe sowie das Nervensystem. Alle drei sind voneinander abhängig, denn im Organismus herrscht ständig Bewegung. Wird der Bewegungsfluss zwischen Knochen, Organen und Nervensystem an irgendeiner Stelle behindert oder gestört, kommt es zu Schmerzen und Krankheiten.

„Die osteopathische Medizin“, sagt Hermann, „ist bestrebt, Heilung zu ermöglichen, indem die Beeinträchtigungen gefunden und sanft korrigiert werden.“ Eine Heilung bewirke der Therapeut also nicht direkt, sondern über die Anregung der Selbstheilungskräfte.

Im Notfall nur als Ergänzung

Die Osteopathie kommt allein oder als Begleittherapie bei vielen Beschwerden und Krankheiten zum Einsatz. Beispiele sind Rücken- und Gelenkprobleme, Migräne, Hexenschuss, Menstruationsbeschwerden, Sodbrennen und Reizdarmsymptome. Auch für Kinder sei eine osteopathische Behandlung geeignet. Bei schweren Krankheiten oder lebensbedrohlichen Notfallsituationen allerdings sollte sie allenfalls als Ergänzung zur Schulmedizin gesehen werden.

In Deutschland ist der Beruf des Osteopathen gesetzlich nicht geschützt, rein theoretisch kann sich jeder so bezeichnen. Wer sichergehen will, dass sein Therapeut eine fünfjährige Ausbildung abgeschlossen hat, kann beim Verband der Osteopathen eine Mitgliederliste erfragen. In England ist der Beruf seit 1993 anerkannt, in Frankreich und Belgien zählt die Osteopathie längst zu den allgemein anerkannten Formen der Medizin.