Rasanter Verfall der Schwarzen Substanz

Im rot markierten Hirnareal liegen die Zellen der Schwarzen Substanz, die bei Parkinsonpatienten schneller absterben als bei Gesunden. (Foto: Naeblys / Fotolia)
Im rot markierten Hirnareal liegen die Zellen der Schwarzen Substanz, die bei Parkinsonpatienten schneller absterben als bei Gesunden. (Foto: Naeblys / Fotolia)

Vor knapp 100 Jahren entdeckte ein Student die Gehirnregion, in der Parkinson entsteht

(dbp/auh) Der Londoner Arzt und Apotheker James Parkinson beschrieb im Jahr 1817 zum ersten Mal die später nach ihm benannte Krankheit Morbus Parkinson. An seinem Geburtstag, dem 11. April, wird seit 1997 der Welt-Parkinson-Tag begangen.

In seiner berühmten Abhandlung „An Essay on the Shaking Palsy“ beschrieb Parkinson allerdings nur zwei der drei Hauptsymptome: die Bewegungsarmut (Akinese) und das Zittern (Tremor). Das dritte „Kardinalsymptom“, die Muskelsteifigkeit (Rigor), wurde erst etwa 1868 von dem Pariser Neurologen Jean-Martin Charcot identifiziert.

Während James Parkinson noch eine Erkrankung der Wirbelsäule für die Ursache des Leidens hielt, entdeckte Konstantin Tretiakoff, Medizinstudent an der Pariser Uni, im Jahr 1919 den wahren Ort des krankmachenden Geschehens: Die sogenannte Schwarze Substanz (Substantia nigra). Das im Mittelhirn gelegene Kerngebiet besteht aus rund 400.000 Zellen, die sich kurz nach der Geburt durch den Farbstoff Melatonin und den hohen Eisengehalt dunkel färben. Tretiakoff entdeckte bei Forschungen für seine Doktorarbeit, dass im Gehirn von verstorbenen Parkinsonpatienten diese Zellen eine eher helle Farbe haben.

Zellen sterben bei Gesunden langsamer ab

Auch bei gesunden Menschen sterben die Zellen in der Substantia nigra im Laufe des Lebens nach und nach ab, sie verlieren etwa 2.400 Zellen im Jahr. Beim Parkinson-Syndrom vollzieht sich dieser Abbauprozess viel schneller. Die ersten Krankheitszeichen treten auf, wenn etwa 50 bis 60 Prozent der Zellen zugrunde gegangen sind.

Die Aufgabe der Schwarzen Substanz wurde erst etwa 1950 entdeckt. Die Zellen stellen Dopamin her, einen Neurotransmitter, der für die Impulsübertragung von einer Nervenzelle zur anderen verantwortlich ist, unter anderem ist Dopamin für reibungslose Bewegungsabläufe zuständig. Auf Basis dieser Erkenntnis wurden die ersten wirksamen Medikamente erforscht. Ende der 1960-er Jahre entwickelte George Constantin Cotzias in den USA die noch heute gängige Behandlung mit L-Dopa, einer Vorstufe von Dopamin.

Symptome treten schleichend auf

Professor Wolfgang H. Oertel, Neurologe und international anerkannter Parkinson-Experte, beschreibt in einer Publikation des Bundesforschungsministeriums die Symptomatik: Zuerst treten Schmerzen auf, zum Beispiel in der Schulter, die von der zunehmenden Muskelsteifigkeit verursacht werden, und eine innere Unruhe in den Händen. Das Gangbild und die Schrift verändern sich leicht. Gewohnte alltägliche Verrichtungen gehen nicht mehr so leicht von der Hand.

Gestik, Mimik und das Sprechen verändern sich. Später nehmen die Patienten die typische vornüber gebeugte Haltung ein, die Bewegungsfähigkeit nimmt ab. Der Gang wird langsam und schlurfend, das charakteristische Zittern ist nicht mehr zu unterdrücken. Hinzu können nicht-motorische Störungen kommen wie Schlafstörungen oder Depressionen. Manche Patienten leiden auch unter Verdauungsproblemen, Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder niedrigem Blutdruck.

Die Symptomatik ist bei jedem Menschen anders ausgeprägt. Das angeblich so typische Zittern fehlt zum Beispiel bei etwa 25 Prozent der Parkinsonpatienten völlig. Auch die Prognose ist individuell verschieden.