Überflüssiger Ballast?

Die ersten Ballaststoffe können schon bei einem gesunden Frühstück mit Müsli, Tomaten und Äpfeln aufgenommen werden. (Foto: Kzenon / Fotolia)
Die ersten Ballaststoffe können schon bei einem gesunden Frühstück mit Müsli, Tomaten und Äpfeln aufgenommen werden. (Foto: Kzenon / Fotolia)

Was hinter der Diskussion um Ballaststoffe in unserer Nahrung steckt.

(dbp/fru) Etwas umstritten sind sie schon – die Ballaststoffe. Es gibt nämlich nicht nur Befürworter einer ballaststoffreichen Ernährung, sondern auch Kritiker. Beiden Gruppen ist jedoch gemein, dass ihre Aussagen und Erkenntnisse teilweise nur auf einer isolierten Betrachtung von Ballaststoffen zurückzuführen ist. Und da kommen wir schon zum Problem einer ganzen Branche.

Denn die meisten ernährungswissenschaftlichen Studien lassen eigentlich keine Rückschlüsse über einzelne Stoffe zu. Ob ein Inhaltsstoff etwa eine Wirkung hat oder nicht, lässt sich nicht so einfach sagen. Und so kommen solche Beobachtungsstudien teilweise zu verschiedenen Ergebnissen und der tatsächliche Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bleibt unklar. Beispiel gefällig?

Beugen Ballaststoffe Darmkrebs vor?

Unser Körper kann Ballaststoffe nicht vollständig aufspalten und verwerten und scheidet sie quasi unverdaut über den Darm wieder aus. Ballaststoffe sind komplexe Kohlenhydrate (Zuckerverbindungen), die aus pflanzlicher Nahrung wie Getreide, Obst oder Gemüse stammen. Beispiele dafür sind die Cellulose der Pflanzenfasern, das Pektin in Äpfeln, die Oligofruktose oder das Inulin in unterschiedlichen Obst und Gemüsesorten.

Laut Felix Burda Stiftung, die sich für die Prävention von Darmkrebs einsetzt, steht fest, dass Ballaststoffe auf die Funktion und Arbeit unseres Verdauungstraktes wichtige und positive Auswirkungen haben. Weil man ballaststoffreiches Essen gut kauen muss, regt das die Bildung von Verdauungssäften an. Im Magen angekommen, beginnen die Ballaststoffe zu quellen und sorgen für ein schnelles Sättigungsgefühl, was es uns erleichtert, ein gesundes Normalgewicht zu halten. Und im Darm binden Ballaststoffe Gallensäuren und verkürzen die Passagezeit des Speisebreis durch den Darm. So haben schädliche Stoffe eine kürzere Kontaktzeit mit der Darmwand.

Ballaststoffe haben also in Zusammenhang mit unserer Darmgesundheit unbestritten jede Menge positiver Effekte. Kann man aber dadurch behaupten, dass sie Darmkrebs vorbeugen? Eine groß angelegte Studie zeigte, dass Personen mit hoher Aufnahme (35g Ballaststoffe pro Tag) gegenüber Menschen mit niedriger Aufnahme (15g Ballaststoffe pro Tag) ein verringertes Darmkrebsrisiko haben. Dabei ist jedoch unklar, ob dies tatsächlich auf die isolierte Wirkung der Ballaststoffe zurückzuführen ist oder z. B. Menschen, die sich ballaststoffreich ernähren nicht allgemein gesundheitsbewusster leben und beispielsweise weniger rauchen und sich mehr bewegen, was laut Experten ebenfalls das Darmkrebsrisiko senkt.

DGE empfiehlt 30 Gramm am Tag

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) befürwortet jedenfalls eine ballaststoffreiche Ernährung. „Vor allem Ballaststoffe aus Vollkornprodukten wirken sich positiv auf die Cholesterolkonzentration im Blut aus und senken mit wahrscheinlicher Evidenz das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck und Koronare Herzkrankheit“, heißt es auf den Internetseiten der DGE.

Der Richtwert für die Ballaststoffzufuhr von mindestens 30 g pro Tag lasse sich beispielsweise mit drei Scheiben Vollkornbrot, einer Portion Früchtemüsli, 2-3 mittelgroßen Kartoffeln, zwei mittelgroßen Möhren, zwei Kohlrabi, einem Apfel und einer Portion Roter Grütze erreichen. Die Ballaststoffaufnahme sei in Deutschland aber noch verbesserungswürdig, denn die Zufuhr sowohl bei Männern als auch bei Frauen in allen Altersgruppen liege noch unterhalb des Richtwertes.